Wenn auch unzählige Berichte über Schüler Arnold Schönbergs (Alban Berg, Anton Webern etc.) anderes suggerieren, besuchten von Beginn an tatsächlich sehr viele Frauen Schönbergs Unterricht: Nach aktuellen Forschungen war sogar mindestens ein Drittel aller bisher als Schüler*innen Schönbergs identifizierten Personen weiblich. (In etlichen Fällen – vor allem was den Bereich Privatunterricht betrifft – sind entsprechende Dokumente, die eine bestehende Schülerschaft nachweisen, nicht erhalten.) So nahmen bereits um 1920 in Wien ebenso viele Frauen wie Männer an Schönbergs Seminaren für Komposition teil. Auch im amerikanischen Exil unterrichtete er eine beträchtliche Anzahl an Frauen.

Unter Schönbergs Schülerinnen finden sich einige Komponistinnen, die ein vielfältiges Œuvre hinterlassen haben, darunter etwa die Österreicherin Vilma von Webenau, seine vermutlich erste Schülerin, die Russin Natalie Prawossudowitsch, die einzige Komponistin in seiner Berliner Meisterklasse für Komposition, und die Amerikanerin Dika Newlin. Die renommierten Tonsetzerinnen Henriëtte Bosmans aus den Niederlanden, die Kanadierin Jean Coulthard sowie die Amerikanerin Elinor Remick Warren besuchten ebenfalls für kurze Zeit Schönbergs Unterricht. Die angehenden Komponistinnen Annabel Comfort, Lovina Knight und Lois Lautner wählte Schönberg in seinem ersten Jahr in den USA sogar persönlich für ein Stipendium aus.

Schönberg durfte zu seinen Schülerinnen weitere bemerkenswerte Frauen zählen, wie beispielsweise Elsa Bienenfeld, die 1903 als erste Frau in Österreich im Fach Musikwissenschaft promovierte und eine der ersten Kulturkritikerinnen war, die unter eigenem Namen publizierte. Einige der österreichischen Schülerinnen übten wichtige Funktionen innerhalb von Schönbergs „Verein für musikalische Privataufführungen“ aus, z.B. Pauline Klarfeld als geschäftsführende Sekretärin und Archivarin oder Selma Stampfer als Pianistin. Die Pianistin und Klavierlehrerin Olga Novakovic war Vorstandsmitglied, Vorbereiterin sowie Mitwirkende des „Vereins“ und nahm als Interpretin überhaupt eine wichtige Rolle innerhalb der Zweiten Wiener Schule ein. Schönberg vertraute ihr offenbar aber nicht nur in musikalischen, sondern auch in persönlichen Angelegenheiten: Olga Novakovic nahm seinen Sohn Georg aus der Ehe mit Mathilde Zemlinsky eine Zeit lang bei sich auf. Nicht alle diese Frauen blieben nach ihrem Unterricht bei Schönberg als Interpretinnen, Musiklehrerinnen oder Komponistinnen tätig, oft aber wählten sie einen anderen künstlerischen Bereich als Betätigungsfeld, wie etwa die spätere Fotografin Lisette Seybert-Model oder die Bauhaus-Künstlerinnen Friedl Dicker-Brandeis und Anny Wottitz-Moller.

Eine besondere Stellung unter Schönbergs Schülerinnen nimmt sicherlich die Amerikanerin Dika Newlin ein. Das „Wunderkind“ – ihre erste Komposition verfasste sie im Alter von 8 Jahren – kam bereits als 15-Jährige zu Schönberg und war somit wahrscheinlich seine jüngste Schülerin. Schönberg hielt sie für ausgesprochen talentiert – nicht nur musikalisch: In seinem Auftrag fertigte sie eine englische Übersetzung von „Pierrot lunaire“ an (die dann aber nicht verwendet wurde). Der Eindruck, den Schönbergs Persönlichkeit auf Dika Newlin ausübte, bestimmte wohl ihren weiteren beruflichen Werdegang: Sie gehörte zu den ersten Schönberg-Forscherinnen im amerikanischen Raum; ihre Studie „Bruckner – Mahler – Schoenberg“ (1945, publiziert 1947) war die erste musikwissenschaftliche Dissertation an der Columbia University und darüber hinaus vermutlich eine der ersten Arbeiten über einen noch lebenden Komponisten. Nach ihrer Ausbildung komponierte sie unter anderem zwölftönig (Schönberg unterrichtete diese Kompositionstechnik bekanntermaßen nur selten) und schlug den Weg als Professorin für Musikgeschichte und Komposition ein. Auch als Pianistin war sie bestrebt, ihrem Publikum Schönbergs Musik näherzubringen. Später war sie darüber hinaus noch als B-Movie-Darstellerin und Punkrocksängerin aktiv, worin sie vielleicht in gewisser Weise eine Fortsetzung von Schönbergs Cabaret-Erfahrung sah.

Arnold Schönbergs Musik ist im Programm des Musikfest Berlin 2015 in einem Reigen von 15 Konzerten, verflochten mit den Werken seines Zeitgenossen Carl Nielsen sowie der Musik Gustav Mahlers, zu erleben. Das Musikfest Berlin 2015 wird am 3. September 2015 von der Staatskapelle Berlin unter Leitung von Daniel Barenboim mit einem Schönberg-Programm eröffnet.