Am 10. Januar 2016 ist David Bowie im Alter von 69 Jahren verstorben. Zwei Tage zuvor, an seinem 69. Geburtstag, erschien seine 25. Langspielplatte „Blackstar“.

2014 war im Martin-Gropius-Bau die vom Victoria and Albert Museum, London konzipierte multimediale Ausstellung „David Bowie“ zu sehen. Aus diesem Anlass fand bei den Berliner Festspielen „Ein Tag für… David Bowie“ statt; zudem erschien in der Edition 12 der Berliner Festspiele ein Text von Tobias Rüther über David Bowie, verbunden mit Fotografien von Esther Friedman, die Bowies Berlin der Siebzigerjahre zeigen.

Wir gedenken in Trauer eines in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Künstlers.

 

Album cover shoot for Aladdin Sane, 1973. Photograph by Brian Duffy Photo Duffy © Duffy Archive & The David Bowie Archive

Album cover shoot for Aladdin Sane, 1973. Photograph by Brian Duffy Photo Duffy © Duffy Archive & The David Bowie Archive

Dass das Victoria and Albert Museum, London David Bowie 2013 eine große Ausstellung gewidmet hat, die die Berliner Festspiele 2014 auch im Martin-Gropius-Bau präsentieren konnten, war naheliegend, nicht nur weil er einer der wirkmächtigsten Künstler unserer Zeit war, sondern auch, weil er ein Künstler war, der in die Museen ging. Im Victoria and Albert Museum studierte er die enorme Modesammlung und die außereuropäische Kunst, insbesondere die japanische. Als er Jahre später nach Berlin kam, um nach einer exzessiven Lebensphase in Amerika in der Anonymität der eingemauerten Stadt unterzutauchen, waren es wieder die Museen der Stadt, die für ihn wichtige Orte der Inspiration und Kreativität waren.

An Berlin faszinierte ihn die gleichzeitige Präsenz der Relikte des Faschismus und der experimentalen Musik, wie sie damals in Deutschland entstand und weltweit für Aufregung sorgte – Musik von Harmonia, Neu und Michael Rother. All diese Platten hatte Bowie in Amerika entdeckt und vor diesem Hintergrund wurde Berlin zu einer drei Jahre währenden Wahlheimat. Hier trug Bowie Schnauzbart und Cowboyshirt, studierte die Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner und malte ganz ähnlich selbst – aber vor allem entstand hier die berühmte Berliner Trilogie mit den Alben „Low“ (1977),  „Heroes“ (1977) und „Lodger“ (1979). Mit „Heroes“ schenkte er Berlin den bis heute wohl größten Hit seiner Geschichte. „Heroes“ machte ein unbekanntes Liebespaar unter dem Wachturm an der Berliner Mauer weltberühmt.

Bowie, der wie kein zweiter immer wieder neue Identitäten schuf, um andere künstlerische Welten zu betreten, war von beispielloser Erneuerungskraft in einem Oeuvre, das Schauspielkunst, Komposition, die Erfindung komplexer fiktionaler Welten und fantastischer Figuren umschließt.  Die Ausstellung „David Bowie“ war unser Geschenk an ihn in dieser Stadt, zu der seine Gedanken und späten Songs immer wieder zurückkehrten.

Wir trauern um einen großen Künstler, der die Geschichte des 20. Jahrhunderts in sich aufnahm und ihr einen bis heute unerhörten Ausdruck verlieh. „There’s a starman waiting in the sky …“