Winrich Hopp © Lucie Jansch

Wir setzen uns auf einen Kaffee zusammen. Mir gegenüber Winrich Hopp, Künstlerischer Leiter des Musikfests Berlin. Die erste Etage des Hauses der Berliner Festpiele ist beinahe menschenleer an diesem Donnerstagnachmittag, aber aus dem Konzertsaal dringen die Töne der gerade laufenden Generalprobe von Stockhausens „MICHAELs REISE UM DIE ERDE“. Bis zur Premiere am nächsten Tag muss noch einiges getan werden, von Lichteinstellungen über Auf- und Abgänge bis zu Kostümänderungen. Da bleibt kaum die Zeit für ein Gespräch mit dem Mann, der die Fäden in der Hand hält. Aber Winrich Hopp bleibt gelassen, zumindest äußerlich. Seine beiden Handys werden für die Dauer unseres Interviews ignoriert. Und während er seinen Kaffee trinkt, erzählt er mir in aller Ruhe, wie heiß das Geschäft eines Musikfestivalleiters ist. Dass es darum geht, als erster den Fuß in der Tür zu haben, was die Organisation von renommierten Orchestern und Ensembles angeht. Dass er stolz ist, das Ensemble Musikfabrik gewonnen zu haben, einzigartig in ihrer Beherrschung von Stockhausens „LICHT“-Zyklus.

Was ihn an der Veranstaltung von Konzerten interessiert, ist die Vielschichtigkeit, die Musik in sich trägt. Die verschiedenen Charakterzüge, die ein einziges Werk besitzt, und die Vielzahl der Möglichkeiten, von welcher Seite die Konzertbesucher es kennen lernen können. Er ist der Überzeugung, dass ein Festivalprogramm es vermag, diese verschiedenen Aspekte auszudrücken. Denn sie wohnen auch den Menschen, die hier auftreten oder zum Zuhören kommen, inne. Ein Programm gestalten heißt, Charaktere zeigen. Jedes Festival, jeder Festivaltag sollen auf neue Weise spannend sein, unvergesslich. Beinahe so unvergesslich, dass die Erinnerung daran jene vorheriger Musikfeste vergessen lässt.

Die Musik sei wie der Kaffee in der Tasse, meint Winrich Hopp. Es braucht die Tasse, um den Kaffee zu trinken. Es braucht einen Henkel, um die heiße Tasse anfassen zu können. Und er liefert den Henkel. Um die Musik greifbar zu machen, zugänglich für Genießer. Bei der Gestaltung eines Programms achte er auch auf Raum für Spontaneität. Bei aller langfristigen Planung sind diese Freiräume nötig, um ein Festival aktuell und publikumsbezogen veranstalten zu können. Wie die Entscheidung, ob der Kaffee mit Milchschaum, Sahne oder Zucker serviert wird. Winrich Hopp ist der Möglich-Macher.