Im Rahmen von Berlinale Talents 2016 führte Thomas Oberender, der Intendant der Berliner Festspiele, ein Gespräch mit dem Theater- und Kinoregisseur Thomas Vinterberg.

Thomas Vinterberg © Marc Høm

Thomas Vinterberg © Marc Høm

Für viele wird Thomas Vinterberg wohl immer in erster Linie der Regisseur sein, der 1998 mit „Das Fest“ den ersten Dogma95-Film inszenierte. Am 20. März 1995, im Rahmen einer Pressekonferenz anlässlich des 100-jährigen Geburtstags des Kinos, hatte Vinterberg das gemeinsam mit den Filmemachern Lars von Trier, Kristian Levring und Søren Kragh-Jacobsen verfasste Dogma95-Manifest, ein Regelwerk zur Kreation eines authentischeren, reineren Kinos, der Öffentlichkeit vorgestellt, drei Jahre später konnte erlebt werden, wie ein Kinofilm unter den Bedingungen von Dogma95 aussehen konnte. „Das Fest“ schlug hohe Wellen im Weltkino, die bis heute zu spüren sind – auch auf den Theaterbühnen, wo regelmäßig Adaptionen des Filmskripts zu sehen sind, zuletzt Christopher Rüpings zum Theatertreffen 2015 eingeladene Stuttgarter Inszenierung.

In der Folge erwies sich Vinterberg als experimentierfreudiger und wandlungsfähiger Regisseur. Während „Das Fest“ sein einziger Dogma95-Film blieb, probierte er sich mit „It’s All About Love“ (2003) und „Dear Wendy“ in einer diametral anderen, hochartifiziellen Filmsprache aus. Nach der 2012 beim Filmfestival in Cannes preisgekrönten Sozialstudie „Die Jagd“ überraschte Vinterbergs nächster Schritt erneut: Für den Kostümfilm „Far from the Madding Crowd“ adaptierte er mit internationaler Starbesetzung Thomas Hardys Klassiker der britischen Literatur. Sein aktueller Film „Kollektivet“ feierte im Wettbewerb der Berlinale 2016 seine Weltpremiere und verarbeitet Jugenderinnerungen des in einer Kommune aufgewachsenen Thomas Vinterberg.

In einer Podiumsdiskussion im Rahmen von Berlinale Talents 2016 sprach Vinterberg am 15. Februar 2016 mit Thomas Oberender über die künstlerische Arbeit im Kollektiv, das Erbe von Dogma95, die Arbeit mit Schauspieler*innen, die Theaterbühne als Experimentierfeld für kommende Kinofilme – und den Kampf gegen die Mittelmäßigkeit des Kinos als Kampf gegen die Mittelmäßigkeit in uns selbst.

Thomas Vinterbergs „Kollektivet“ ist am 21. Februar 2016 um 14:30 Uhr im Friedrichstadt-Palast noch einmal im Rahmen der Berlinale 2016 zu sehen.