Gleich mehrere Festivals, die 2015 unter dem Dach der Berliner Festspiele stattfinden, werden sich in unterschiedlichen Veranstaltungsformaten mit den Themen der Zeit und der langen Dauer auseinandersetzen. Den Auftakt macht von 20. bis 29. März die neu konzipierte MaerzMusik – Festival für Zeitfragen. In unserer Reihe „Durational Art“ stellen wir Experimente in Langzeitformaten vor – in Musik, Film, Theater, Bildender Kunst etc.

Ambiancé, Anders Weberg

Film gegen die Ewigkeit: Am 31. Dezember 2020 wird der 720-stündige Film des Künstlers Anders Weberg vollendet sein, dann wird er einmal gezeigt und anschließend vernichtet. Einen Kurzteaser gibt es schon. Er dauert 72 Minuten.

 

5-year drive-by, Douglas Gordon

Film in Echtzeit: Nach „24 Hour Psycho“ setzt Douglas Gordon Erzählzeit und erzählte Zeit gleich und streckt John Fords epischen Western „The Searchers“ auf die fünf Jahre, die seine Erzählung umfasst.

 

Narbe Deutschland, Burkhard von Harder

Film als Grenzgang: 16 Stunden lang erforscht eine Kamera das Areal, das als „Eiserner Vorhang“ einst die beiden Deutschlands voneinander trennte. Eine ideologische Grenze wird räumlich nachvollziehbar. im Rahmen des Abschlussabends von MaerzMusik – Festival für Zeitfragen 2015, „The Long Now“, wird „Narbe Deutschland“ im Kraftwerk Berlin in voller Länge von 16 Stunden zu sehen sein. Außerdem wird Burkhard von Harders „Narbe Berlin“ mit Live-Soundtrack von FM Einheit vorgeführt.

 

Evolution of a Filipino Family, Lav Diaz

Film als (R)Evolutionsgeschichte: „Boyhood“ ist ein Kurzfilm gegen dieses elfstündige Epos. Elf Jahre drehte der philippinische Regisseur Lav Diaz, wir sehen Protagonisten altern und Videotechnik sich weiterentwickeln.

 

Life in a Day, Kevin Macdonald

Film mit ADHS: Aus über 80.000 Filmen, die am 24. Juli 2010 in aller Welt aufgenommen wurden, montierte Kevin Macdonald einen Kinofilm. Geduld braucht man für die knapp 95 Minuten weniger, eher die Bereitschaft, sich in Sekundenschnelle durch die Welt zappen zu lassen.

Vorschaubild: „Narbe Berlin“ © BVH Pictures

Mehr zum Thema:
Thinking Together – The Politics of Time, 20. bis 28.03., und  The Long Now, 28. & 29.03.2015, bei MaerzMusik – Festival für Zeitfragen 2015