Das Projekt JungeReporter wendet sich an junge Leute ab 15 Jahren, die Lust am Schreiben haben. Sie müssen nicht unbedingt selbst ein Instrument spielen, malen oder gern auf der Bühne stehen, sondern es kommt auf die Neugier für alle Kunstformen an. Für das Berliner Festspiele Blog besuchen sie Proben und Veranstaltungen und schreiben darüber.

Georges Aperghis zu Gast bei MaerzMusik – Festival für Zeitfragen 2015 © Kai Bienert

Georges Aperghis zu Gast bei MaerzMusik – Festival für Zeitfragen 2015 © Kai Bienert

Der griechische Komponist Georges Aperghis wirkt wie ein weiser Mann, wie er mit seinem immer noch vollen, weißen Haar, leicht zittrig, aber mit frischen, geradlinigen Gang auf die Bühne kommt. Er erzählt uns in der Mitte dieses dritten Abends mit seinen Werken bei MaerzMusik von den Anfängen seiner Musik, den Inspirationen, den Ideen. Mit dem Atelier Théâtre et Musique (A.T.E.M), von Georges Aperghis 1976 gegründet und in einem Pariser Vorort angesiedelt, schuf er eine ganz eigene Ausdrucksform. Inspiriert sei er durch die Vielfältigkeit der Menschen gewesen, die Teil der Gruppe waren: Schauspieler, Musiker, aber auch Anwohner aus dem Banlieue. Ein Autobahnbau hatte den Vorort in zwei Teile zerschnitten. Viele Bewohner waren weggegangen, Häuser zerfielen, es entstanden Hochhäuser mit Sozialwohnungen, in die viele Familien aus Nordafrika einzogen.

Das Konzert, welches wir heute hören, präsentiert eine Auswahl von Solostücken, die Aperghis seit 1978 geschrieben hat. Bunt und kontrastreich ist diese, wie das Leben eines Menschen. Von afrikanisch inspirierter Musik gepaart mit sprachlichem Wirrwarr über ein leises, sanftes Kontrabass-Klarinettensolo. Von einem aufregenden, schnellen Violinen-Solo über eine Performance mit einer singenden Säge, in der der sägende Künstler am Ende als Raupe in einen Kokon eingepackt vor dem Publikum sitzt. Auch wenn die Musiker die Stimmung der einzelnen Stücke nicht immer herausragend umsetzen und das Kontrabasssolo sich mit seinen 20 Minuten am Ende etwas hinzieht, bin ich doch überzeugt von diesem Abend. Denn Abwechslung und Ideenreichtum wecken immer wieder meine Aufmerksamkeit und lassen mich in die Welt von Georges Aperghis eintauchen.

Die Autorin Finja Berresheim besuchte das Programm „Aperghis III: A.T.E.M.“ im Rahmen von MaerzMusik – Festival für Zeitfragen 2015.