Das Projekt JungeReporter wendet sich an junge Leute ab 15 Jahren, die Lust am Schreiben haben. Sie müssen nicht unbedingt selbst ein Instrument spielen, malen oder gern auf der Bühne stehen, sondern es kommt auf die Neugier für alle Kunstformen an. Für das Berliner Festspiele Blog besuchen sie Proben und Veranstaltungen und schreiben darüber.

„Mr. Pipo Clock“ © CC BY-SA 3.0, Illustration: Nevit Dilmen

Aufstehen um 6 Uhr in der Frühe, Frühstück um 6.30 Uhr, Arbeiten bis 6 Uhr am Abend, Abendbrot um 8 Uhr und dann Schlafen um 9 Uhr. Uhr, Uhr, Uhr! Die Uhr ist unsere Zeiteinteilung. Die Musik aber löst sich davon ab, denn in ihr gibt es keine Uhr, sondern nur die Zeit.

„Ey man, keep time!“ – Ein Satz, den Musiker oft zu einander sagen, zum Beispiel im Jazz. In vielen Musikrichtungen ist Zeit als Tempo von großer Bedeutung, charaktergebend für das Stück. Es ist wichtig, dass das Tempo gleich bleibt. Auf der anderen Seite gibt es Stücke, die gerade davon leben, im Tempo zu variieren oder gar auf Zeit als Metrum zu verzichten, wie in der Neuen Musik zum Beispiel. Aber in allen Fällen, egal wie sie auftritt, ist die Zeit ein wichtiger Aspekt und beeinflusst die Atmosphäre der Musik ungemein. Ein Stück kann schnell sein und zum Tanzen anregen, es kann langsam, getragen sein oder wellenförmige Dynamiken erzeugen. Die Zeit spielt auch insofern eine wichtige Rolle, als ohne Taktangaben das Zusammenspiel nur schwer möglich wäre. Wenn sie fehlt, versucht man einen Puls zu finden, irgendetwas, das Anhaltspunkte bringt, um Muster und Kreise in der Musik zu erkennen und zu verstehen und sich als Zuhörer zurechtzufinden. Die Zeit der Musik ist nicht die gleiche, bekannte, die unseren Tagesablauf vorzugeben scheint. Hier gibt es keine Minuten, Sekunden oder gar Stunden, wie sie in unserer Alltagswelt existieren, sondern sie ist von Stück zu Stück anders. Es können neue Zeit-Einheiten entstehen, denn die Minute mit 60 Sekunden gilt nicht mehr.

Zeit hilft uns, eine gewisse Struktur im Leben zu haben, die wir benötigen (oder vielleicht auch nicht?). – Aber die Musik bietet ein neues, anderes Zeitgefühl, das für jeden individuell ist.

Dieser Text ist auch im Tagesspiegel vom 25. März 2015 erschienen. Weitere Beiträge des JungeReporter-Teams bei MaerzMusik – Festival für Zeitfragen finden Sie im Tagesspiegel – und weiterhin hier im Berliner Festspiele Blog.