Das Projekt JungeReporter wendet sich an junge Leute ab 15 Jahren, die Lust am Schreiben haben. Sie müssen nicht unbedingt selbst ein Instrument spielen, malen oder gern auf der Bühne stehen, sondern es kommt auf die Neugier für alle Kunstformen an. Für das Berliner Festspiele Blog besuchen sie das 36. Theatertreffen der Jugend.

Ein fester Bestandteil des Theatertreffens der Jugend ist für alle Schauspieler*innen die Teilnahme an einem der sieben Workshops. In vier Tagen sind grandiose Ergebnisse entstanden, die die Gruppen am Donnerstagvormittag auf der Seitenbühne im Haus der Berliner Festspiele vorstellen. Diese anderthalb Stunden Präsentation verkörpern die geballte Hingabe von über hundert jungen Spielwütigen und es ist wirklich schwierig, so viel kreative Energie in einem Text wiederzugeben.

Die kurzen Darbietungen sprühen nur so vor originellen Ideen und Witz. Gleichzeitig sind die Schauspieler*innen hochkonzentriert und professionell bei der Sache. Das Publikum besteht hauptsächlich aus Theatertreffen-Teilnehmern*innen, die sich von der Arbeit ihrer Kolleg*innen in den Bann ziehen lassen. Und da eine humorvolle Pointe auf die andere folgt, können wir alle gar nicht mehr aufhören zu lachen. Einige Gruppen, wie der Workshop „Improvisation und Spiel“, binden ihr Publikum auch gezielt mit ein: „Ich brauche einen Ort“, fordert Bernhard Meindl, der Workshopleiter. „Reeperbahn“ ruft ein Zuschauer. – „Okay, nehmen wir die Reeperbahn.“ Ein Schauspieler betritt die Bühne und tut so, als müsse er sich übergeben. Ein weiterer Schauspieler ruft „Freeze“, die Szene wird eingefroren, er betritt die Bühne, nimmt die Hand des Kotzenden und macht ihm einen Heiratsantrag. Der verblüffte Zuschauer kann all den unerwarteten Wendungen kaum folgen. Nach einem weiteren „Freeze“ fungiert der Heiratsantragsteller als Taschenmesser, anschließend als Taschentuch.

Zwischen einzelnen Präsentationen werden Hörspiele abgespielt, die der Workshop „Bigger than Life“ produziert hat. Die Teilnehmer*innen dieses Workshops erzählen Anekdoten aus ihrem Leben und beherrschen dabei meisterhaft den „Lagerfeuereffekt“. Scheinbar banale Erlebnisse werden zu existenziellen und packenden Geschichten, wenn sie auf die richtige Art und Weise erzählt werden. Bei „Don’t worry – move“ haben sich die Teilnehmer*innen mit zeitgenössischen Tanztechniken beschäftigt. Fasziniert beobachte ich, wie die Tänzer ihre Körper robotermäßig hin- und herrucken, was unnatürlich und zugleich elegant aussieht.

„Reclam Goes Celluloid: Klappe, die Vierte!“ beschäftigt sich ausgiebig mit dem Nibelungenlied und interpretiert es dann leidenschaftlich frei in drei Kurzfilmen. In einem haben sie die Seifenoper des Mittelalters in das Seifenopernformat des 21. Jahrhunderts gepackt. In „Nibelungen im Brennpunkt“ ist Sean-Pascale (Siegfried) mit Kimberly (Kriemhild) zusammen, die ihm vorwirft, er habe sie mit Betty (Brunhilde) betrogen. Der Schauplatz ist ein Brennpunktkiez in dem G (Gunther) der Obergangster ist. Wer vor dem Theatertreffen noch nie Filmer, Hörspielautor oder Tänzer war, konnte sich intensiv mit Themen rund ums Theater beschäftigen und vielleicht ein neues Talent an sich entdecken. Die Schauspieler*innen haben mit so viel Einfallsreichtum improvisiert, Regie geführt, Körper getauscht und Grenzen überschritten, da sage ich nur: „Chapeau!“

Der Bundeswettbewerb Theatertreffen der Jugend findet vom 29. Mai bis 6. Juni 2015 im Haus der Berliner Festspiele statt.