Das Projekt JungeReporter wendet sich an junge Leute ab 15 Jahren, die Lust am Schreiben haben. Sie müssen nicht unbedingt selbst ein Instrument spielen, malen oder gern auf der Bühne stehen, sondern es kommt auf die Neugier für alle Kunstformen an. Für das Berliner Festspiele Blog besuchen sie Proben und Veranstaltungen und schreiben darüber.

Georges Aperghis und Donatienne Michel-Dansac nach der Aufführung von „Récitations“ © Kai Bienert

Einen Höhepunkt der MaerzMusik bildete eine für den französischen Komponisten Georges Aperghis geschaffene Konzertreihe, die zum diesjährigen Programm einen großen Teil an künstlerischer Vielfalt beisteuerte. In den Konzerten war nie Zeit und Platz für Langeweile, denn man wurde immer wieder von neuen Ideen und Einfällen des Komponisten überrascht. Das erste Konzert, „Récitations“, mit einem einstündigen Programm für eine Solostimme erschuf Geräusche und Klänge, von denen man nicht ahnte, dass sie überhaupt aus einer menschlichen Kehle kommen könnten. Das zweite Konzert, „A.T.E.M.“, war wie ein Schaufenster in Aperghis’ Kompositionswerkstatt, in der neue Töne entstehen und geschmiedet werden, und das letzte, „Situations“, beeindruckte durch Vielfalt und Reichtum an Klang. Alle Abende zeigten jeweils einen anderen Teil des Komponisten Georges Aperghis, denn sie waren alle drei aufregend und interessant. Durch die Musik wurde ein Portrait gezeichnet, ein Bild vom Künstler selbst, der wie ein Chamäleon sein schillerndes Farbenkleid ändert. Man bekam das Gefühl, durch Aperghis’ Musik in Welten von Geräuschen und Klängen einzutauchen, die jeder im Saal schon kannte, aber noch nie bewusst gehört hatte. Es schien, als habe er ganze Menschenleben vertont und aufgeschrieben, von Geräuschen, die ein Kleinkind von sich gibt, über Alltagsklänge bis hin zum letzten Röcheln und Stöhnen eines Sterbenden. Diese Konfrontation mit Bekanntem gab den Stücken besonderen Charakter und macht seine Musik lebendig, da man als Zuhörer sich wiederfinden konnte in Teilen dieser Klangwelt. Erinnerungen an Orte, Zeiten und Gefühle hatten hier Platz und Möglichkeit sich zu entwickeln und klar und deutlich zu werden.

Der Autor Jakob von Bülow besuchte die Konzerte der „Hommage à Georges Aperghis“ im Rahmen von MaerzMusik – Festival für Zeitfragen 2015.