Zuckerbergs Dystopie Virtueller Räume für vielleicht bald 2 Mrd. Facebook-Nutzer zielt auf emotionale Erlebniswelten für seine Kunden und erfüllt zugleich Wunschszenarien der Geheimdienste. Mit der Kontrolle der Räume für möglichst viele Sinne aber fügt sich dieses gigantische Projekt in die Geschichte der problematischen Seite der Immersion, in der es immer wieder darum ging, visuelle Macht und Kontrolle über Seher zu erlangen. Die Keynote greift wichtige Etappen dieser von Brüchen und Umwegen gekennzeichneten Bildgeschichte heraus und mündet in Betrachtungen zur allerjüngsten Gegenwart. Das Jahrhundert der Panoramen, Eisensteins Raumfilm, Fresken der Renaissance und das Phänomen Weltausstellungen werden ebenso aufgegriffen wie Massenphänomene der Popkultur und jüngste Entwicklungen Digitaler Kunst – Werke, die Immersion kritisch aufgreifen von Jeffrey Shaw, Rimini Protokoll, Bernd Lintermann, Maurice Benayoun, Christa Sommerer, Asymptote, William Kentridge etc. Zugleich markiert der Beitrag mit Cassirer (Warburg), Adorno, Foster und Gouveira die *kritische Distanz* als Grundvoraussetzung ästhetischer Wahrnehmung und von Erkenntnis.

Fokussiert wird das Paradox der Immersion, die eine Kerngröße zum Verständnis medialer Entwicklung überhaupt definiert, jedoch erst eintritt, wenn das *Medium unsichtbar* wird. Zugleich wird die Polarität Digitaler Verkörperung und Personalität thematisiert, die einerseits spielerisch-gestalterisch im Rahmen vorgegebener Freiheitsgrade aktiv werden kann, andererseits jedoch der jeweiligen technischen Grenze unterworfen ist und vielleicht zielgesteuert im Rahmen der Möglichkeiten verbleibt. Nicht zuletzt werden Auswirkungen der Digitalen Revolution für die Geistes- und Kulturwissenschaften analysiert. Welche neuen Instrumente werden benötigt, um die immer rasanteren Veränderungsprozesse zu erfassen und zu analysieren?

Der Vortrag wurde am 18. November 2016 in der „Schule der Distanz No. 1“ im Rahmen des Programms „Immersion. Analoge Künste im digitalen Zeitalter“ der Berliner Festspiele im Martin-Gropius-Bau gehalten.