Maxime Le Calvé (34) ist Anthropologe und begleitet ethnographisch den Mondparsifal seit seiner Entstehung. Er schreibt an einer Dissertation zu „Jonathan Meese und Parsifal“ am Institut für Theaterwissenschaft (FU Berlin) und an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (Paris). Seine Zeichnungen gelten als phenomenographischer Beitrag zum Forschungsbereich am Probenprozess. Le Calvé praktiziert eine ernsthaft teilnehmende Beobachtung und bemüht sich, gleichzeitig der Kunst und der Wissenschaft zu dienen. Aus den entstehenden Reibungen kommen diese Bilder.

© Maxime Le Calvé

4. Oktober 2017 – Haus der Berliner Festspiele
Der Regietisch steht bereits in der Mitte des Zuschauerraums. Acht Container wurden aus Wien angeliefert, die das gesamte Bühnenbild enthalten. Ein falsch geparkter Audi hat die Lieferung verzögert, aber jetzt läuft alles. Die große Bühne wird langsam voller. In ein paar Tagen werden alle Bühnenelemente montiert sein.

© Maxime Le Calvé

Währenddessen geht im Festspielhaus die Installationsarbeit weiter. Künstler Meese läuft überall mit dem Pinsel in der Hand umher, um die Boxen vor Ort fertig zu bemalen. Der mitwirkende Bühnenbildner Kiefel dirigiert die Umwandlung des Foyers: Die Bar wird von den Techniker*innen Jule und Pierre mit Glitterpapier komplett abgedeckt. Da pinselt auch Jonathan Meese irgendetwas Passendes.

© Maxime Le Calvé

5. Oktober 2017 – Haus der Berliner Festspiele
Eine Team des RBB interviewt den Künstler bei der Arbeit. Eigentlich wollten sie ihn erst einmal nur beim Malen filmen. Aber bei Meese geht es stets schnell zu den Worten. Bayreuth wird ein wenigbeschimpft, und den Gegnern seiner „Parsifal“-Inszenierung gibt er hier die richtige Antwort: Kundry als Barbarella ist ein Zitat, natürlich haben sie das anderswo anders gesehen. „Sie ist die genaue weibliche Parsifal-Figur.“ Mittlerweile ist der Künstler mit dem Malen fast fertig. Die Schilder aus Sperrholz weisen dem Weg nach Hause. „Man sollte viel mehr Zeit zuhause verbringen. Wir sollen alle nach Hause“, sagt Meese.

© Maxime Le Calvé

Fotograf Bauer bei der Arbeit. Das große Installationswerk im Kassenfoyer wurde von Meese fertig gestellt. Ganz in dessen Stil wurde der Raum mit Gegenständen und Gemälden gefüllt. Meese posiert als Soldat der Kunst für seine eigene Website, die von dem Fotografen gepflegt wird.

© Maxime Le Calvé

Im ersten Stockwerk streichen Jule und Jakob die Fensterfronten mit Buttermilch. Die riesigen Glassscheiben werden als Projektionsflächen benötigt. Vom zum totalen Kunstobjekt transformierten Festspielhaus ausgehend wird der Mondparsifal nach innen wie nach außen herausstrahlen.

© Maxime Le Calvé

Künstler Meese schreibt im rechten Bereich des Foyers eine Nachricht in großen Buchstaben. Techniker Pierre sichert die Leiter. In einer von Meese erklärten „geometrischen Denkform“ hängt der Künstler alle Seile auf der linken Seite und lässt sich vom Fließen der Wörter weiter inspirieren, als er die Leiter weiter nach rechts schiebt. Das Ganze lässt sich wie ein fünfzeiliger Cadavre Exquis lesen. Auf Meeses Musikanlage knallt der Hit „I Feel Love“ im Hintergrund.

Am 15., 16. und 18. Oktober 2017 ist „MONDPARSIFAL BETA 9–23 (VON EINEM DER AUSZOG, DEN „WAGNERIANERN DES GRAUENS“ DAS „GEILSTGRUSELN“ ZU ERZLEHREN)“ im Rahmen des Programms Immersion im Haus der Berliner Festspiele zu erleben.