Maxime Le Calvé (34) ist Anthropologe und begleitet ethnographisch den Mondparsifal seit seiner Entstehung. Er schreibt an einer Dissertation zu „Jonathan Meese und Parsifal“ am Institut für Theaterwissenschaft (FU Berlin) und an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (Paris). Seine Zeichnungen gelten als phenomenographischer Beitrag zum Forschungsbereich am Probenprozess. Le Calvé praktiziert eine ernsthaft teilnehmende Beobachtung und bemüht sich, gleichzeitig der Kunst und der Wissenschaft zu dienen. Aus den entstehenden Reibungen kommen diese Bilder.

© Maxime Le Calvé

9. Oktober 2017 – Haus der Berliner Festspiele
Wir beginnen mit der Probe! Die Blumenmädchen haben alles gut im Kopf, Choregrafie und Musik. Die wird noch auf dem Klavier gespielt. Am Regietisch wird die Beleuchtung eingerichtet, keine Zeit für Extratermine. Assistent Gruber ist der Steuermann.

© Maxime Le Calvé

Mittagessen bei einem „nord-koreanischen Inder“ mit Künstler Meese, Dramaturg Nass und Bühnenbildner Kiefel. Es wird, wie immer, viel gelacht. Über die Arbeit wird nicht geredet, alles läuft gut und alle sind beruhigt.

© Maxime Le Calvé

Proben zum dritten Akt, Regieassistent Zlabinger ersetzt den Gurnemanz, Sänger Tómasson bleibt leger gekleidet für den ersten Vollzug der letzten Gralsenthüllung. Der Arnold Schoenberg Chor, auch in Alltagsklamotten, marschiert und singt in feinsten Tönen.

© Maxime Le Calvé

Das Beleuchtungsteam bei der Arbeit: Lichtdesigner Baumgarte guckt scharf mit seinen blauen Augen, ohne zu zwinkern, und prüft exakt die nach Plan vor ihm entstehenden Lichtatmosphären. Der nummerierte Plan wurde gemeinsam mit dem Inspizienten Stollwitzer in Wien festgemacht. Mit einem Walkie-Talkie bleibt er mit der Hinterbühne in Kontakt. Technikerin Mathilda schaut ihn in kritischen Momente nur an und wartet auf seine blitzschnellen Anweisungen.

Am 15., 16. und 18. Oktober 2017 ist „MONDPARSIFAL BETA 9–23 (VON EINEM DER AUSZOG, DEN „WAGNERIANERN DES GRAUENS“ DAS „GEILSTGRUSELN“ ZU ERZLEHREN)“ im Rahmen des Programms Immersion im Haus der Berliner Festspiele zu erleben.