Tyshawn Sorey ist der erste Artist-in-Residence des Jazzfest Berlin. Er wird daher in unterschiedlichen Formationen mehrfach beim Jazzfest Berlin in Erscheinung treten. Matthias Kirsch begleitet ihn dabei.

Zuerst fällt das ungewöhnlich mächtige Drumset auf. Schlagzeuger Tyshawn Sorey, der beim diesjährigen Jazzfest Berlin der erste sogenannte Artist-in-Residence ist, also an mehreren Tagen in unterschiedlichen Besetzungen auftreten wird und so die Vielfalt seines Schaffens auf die Bühne bringt, hat zusätzlich zur ohnehin schon gewaltigen Schlagzeuglandschaft noch ein Keyboard, ein Vibraphon sowie diverse Perkussionsinstrumente zur Verfügung.

Doch zunächst erscheint nur der Pianist Cory Smythe und beginnt das Konzert mit einer sehr ruhigen, kontemplativen, fast schon hypnotischen Sequenz, die an Keith Jarrett erinnert und die fast schon tranceartig wirkt, je länger er spielt. Erst nach einer Weile gesellt sich auch Bassist Chris Tordini dazu. Tordini spielt in vielen verschiedenen Formationen, darunter auch in der Band der Singer-Songwriterin Becca Stevens. Das Fundament steht – es scheint ein nicht vorhersehbares Experiment zu werden.

Als dann zu guter Letzt Tyshawn Sorey die Bühne betritt, gibt es zunächst einmal ein paar vage Schläge auf das Vibraphon. Wie ein Zeremonienmeister wandert er in der Folge zwischen den Instrumenten hin und her, wird mal etwas grober ausholen, an anderer Stelle dagegen fast schon zärtlich die Besen schwingen.

Inzwischen ist das Stück zu einer brodelnden Masse geworden. Immer wieder gibt es stark repetitive Momente und immer dann, wenn eine Passage doch mal etwas länger andauert und man kurz davor ist, sich an einen Rhythmus oder eine Stimmung zu gewöhnen, wird man gleich wieder rausgerissen aus seiner „Komfortzone“, weil Mister Sorey mal eben den riesigen Gong bedient. Viel Wert wird hier auf die Stimmung gelegt. Sorey entscheidet immer erst im Bruchteil von Sekunden welches Instrument, welchen Schlagstock er wie einsetzt. Zwischenzeitlich wirkt das Ganze wie eine wohl überlegte Choreographie, die sich jedoch selbst nicht ganz ernst nimmt und beständig selbst hinterfragt.

Die gut einstündige Performance bleibt durchweg spannend und doch relativ eingängig im Gesamtkontext, entfaltet ihre Wirkung aber erst zum Ende, als die Hypnose vorbei ist.

Als erster Artist-in Residence des Jazzfest Berlin ist Tyshawn Sorey gleich mehrfach präsent. Das erste Konzert mit Tyshawn Sorey und seinem Trio findet am Donnerstag, 2. November 2017 um 20:00 Uhr statt.  Anlässlich der Albert-Mangelsdorff-Preisverleihung am Freitag, 3. November spielt Tyshawn Sorey erneut zusammen mit Chris Tordini und der Preisträgerin Angelika Nescier um 17:30 Uhr. Am selben Tag, um 23:00 Uhr ist er dann im Duo mit dem Saxofonisten Gebhard Ullmann auf der Seitenbühne des Festspielhauses zu hören. Mit einer großen Ensemble-Formation gestaltet er das Abschlusskonzert des Festivals am Sonntag, 5. November um 19:00 Uhr mit. Alle Konzerte finden im Haus der Berliner Festspiele statt.