Tyshawn Sorey ist der erste Artist-in-Residence des Jazzfest Berlin. Er wird daher in unterschiedlichen Formationen mehrfach beim Jazzfest Berlin in Erscheinung treten. Matthias Kirsch begleitet ihn dabei.

Albert Mangelsdorff-Preisverleihung © Camille Blake

Der Schlagzeuger, Komponist und Improvisationskünstler Tyshawn Sorey konnte beim Konzert mit der Albert-Mangelsdorff-Preisträgerin Angelika Niescier unter Beweis stellen, dass er sich im Trio auch ein- und sogar unterordnen kann.

Niescier, die als zweite Frau in der Geschichte des Preises die Auszeichnung am Freitag Abend entgegennehmen durfte, bezeichnet sich selbst als „Coltrane-geschädigt“, wie Laudator Thomas Krüger in seiner Lobesrede anmerkte. Die in Polen geborene Saxophonistin erinnert tatsächlich in vielen Passagen während ihres Preisträger-Konzertes an ihr großes Vorbild, wobei nie der Gedanke aufkommt, dass sie hier einfach kopiert. Coltrane dient eher als Inspiration und Denkanstoß. Und mit Tyshawn Sorey hat sie zudem einen Partner gefunden, der sie nicht nur musikalisch unterstützt, sondern ihr Ideen liefert, Antrieb gibt, oder auch in kurzen Momenten lediglich eine begleitende Rolle spielt.

Albert Mangelsdorff-Preisverleihung © Camille Blake

Zusammen mit dem Bassisten Chris Tordini wird hier auch deutlich, wie ambitioniert die Saxophonistin mit ihrem kompositorischen Talent umgeht. Die Stücke haben allesamt Struktur, sind intelligent aufgebaut und zelebrieren die Kunst des Zusammenspiels. Es macht einfach sehr viel Spaß, den drei Musiker*innen dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig unterstützen, wie der eine auf den anderen hört. Es gibt Momente, in denen Sorey ganz gespannt darauf zu warten scheint, in welche Richtung Niescier geht und ob er ihr eher folgen oder einen anderen Weg einschlagen soll.

In einem verhältnismäßig ruhigen Stück während des Konzertes ist er dann wieder ganz Soundtüftler, gibt hier und da kurze Anstöße, setzt minimale Akzente, wechselt mehrmals zwischen Besen und Stock. An anderer Stelle nimmt er sämtliche Schlagstöcke in seine Hand und schüttelt sie einmal kräftig durch – der Effekt ist intensiv und aufrichtig. Hier scheint kurz wieder der Hexenmeister durch, der immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist, ohne sich dabei in den Vordergrund zu stellen. In diesem Triokontext beweist Tyshawn Sorey einmal mehr seine Vielseitigkeit.

Als erster Artist-in Residence des Jazzfest Berlin ist Tyshawn Sorey gleich mehrfach präsent. Das erste Konzert mit Tyshawn Sorey und seinem Trio findet am Donnerstag, 2. November 2017 um 20:00 Uhr statt.  Anlässlich der Albert-Mangelsdorff-Preisverleihung am Freitag, 3. November spielt Tyshawn Sorey erneut zusammen mit Chris Tordini und der Preisträgerin Angelika Nescier um 17:30 Uhr. Am selben Tag, um 23:00 Uhr ist er dann im Duo mit dem Saxofonisten Gebhard Ullmann auf der Seitenbühne des Festspielhauses zu hören. Mit einer großen Ensemble-Formation gestaltet er das Abschlusskonzert des Festivals am Sonntag, 5. November um 19:00 Uhr mit. Alle Konzerte finden im Haus der Berliner Festspiele statt.