Tyshawn Sorey ist der erste Artist-in-Residence des Jazzfest Berlin. Er wird daher in unterschiedlichen Formationen mehrfach beim Jazzfest Berlin in Erscheinung treten. Matthias Kirsch begleitet ihn dabei.

Tyshawn Sorey und Gebhard Ullmann beim Jazzfest Berlin 2017 © Camille Blake

Der Saxophonist und Komponist Gebhard Ullmann, zugleich Vorsitzender der UDJ (Union Deutscher Jazzmusiker) und damit Ausrichter des Albert-Mangelsdorff-Preises, spielt am späten Freitag Abend zum ersten Mal mit dem Multi-Instrumentalisten Tyshawn Sorey zusammen.

Einen Tag nach seinem 60. Geburtstag trifft also der ruhelose Ullmann auf den schwer einzuordnenden Tyshawn Sorey. Schwer definierbar ist auch deren Zusammenarbeit. Zu Beginn des Konzertes frage ich mich, ob es ein Tyshawn-Sorey-Set mit dem Gastsaxophonisten Gebhard Ullmann ist oder eher ein Gebhard-Ullmann-Konzert mit Tyshawn Sorey als special guest. Aber schon bald finden die beiden ihren Rhythmus, wenn man hier überhaupt davon sprechen kann. Der Rhythmus besteht aus Zwiegesprächen, die sich meistens energiegeladen und aufgeregt äußern und bisweilen auch mal zum Aufschrei führen können.

Tyshawn Sorey wechselt plötzlich und unerwartet zum Klavier und bringt sich hier als Querschläger ein, so, als ob er Ullmann herausfordern wollte. Und der lässt sich davon wenig beeindrucken oder so schwer beeindrucken, dass er zunächst kontert, um kurz darauf die Herausforderung anzunehmen. Gebhard Ullmann, der selbst in diesem Jahr mit dem German Jazz Award ausgezeichnet wurde und Tyshawn Sorey, der in diesem Jahr mit dem McArthur Fellowship geehrt wurde (eine Auszeichnung, die verliehen wird an amerikanische Künstler, die „außerordentliche Verdienste vorzeigen und andauernde und kreative Arbeit versprechen“), sind beide durchaus vergleichbar in ihrer ständigen Suche nach weiteren Ideen. Beide folgen stets ihrem Instinkt und verfolgen gleichzeitig die Spur des jeweils anderen.

Tyshawn Sorey und Gebhard Ullmann beim Jazzfest Berlin 2017 © Camille Blake

Es steht den beiden ganz gut, sich auf den anderen einlassen zu müssen. Beide sind üblicherweise in unverschämt vielen verschiedenen Formationen unterwegs – und es scheint gerade dies der Grund dafür zu sein, warum die beiden an diesem Abend ganz besonders viel Freude daran haben, sich zu messen. Gefunden haben sie sich jedenfalls schon mal. Und das ist ja auch schon viel wert.

Als erster Artist-in Residence des Jazzfest Berlin ist Tyshawn Sorey gleich mehrfach präsent. Das erste Konzert mit Tyshawn Sorey und seinem Trio findet am Donnerstag, 2. November 2017 um 20:00 Uhr statt.  Anlässlich der Albert-Mangelsdorff-Preisverleihung am Freitag, 3. November spielt Tyshawn Sorey erneut zusammen mit Chris Tordini und der Preisträgerin Angelika Nescier um 17:30 Uhr. Am selben Tag, um 23:00 Uhr ist er dann im Duo mit dem Saxofonisten Gebhard Ullmann auf der Seitenbühne des Festspielhauses zu hören. Mit einer großen Ensemble-Formation gestaltet er das Abschlusskonzert des Festivals am Sonntag, 5. November um 19:00 Uhr mit. Alle Konzerte finden im Haus der Berliner Festspiele statt.