„Schönberg ist ein großer Komponist. Er steht absolut auf der selben Höhe wie Brahms oder Beethoven.“ – Ingo Metzmacher

Ingo Metzmacher führt am 17. September mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin „Die Jakobsleiter“ von Arnold Schönberg in der Philharmonie auf. Für das Berliner Festspiele Blog hat Metzmacher über den Komponisten gesprochen, dessen kompositorische Entwicklung und über einzelne Werke, die beim Musikfest Berlin 2015 zu erleben sind.

Arnold Schönberg (1874-1951), Komponist, Musiktheoretiker, Lehrer, Maler, Erfinder. Er hat die „Zwölftontechnik“ begründet, mit seinen Werken die Musikgeschichte revolutioniert, ein Vulkanausbruch, dessen Kraft unvergleichlich und dessen Beben bis heute spürbar ist. Im Musikfest Berlin 2015 wird seine Musik in all ihren Facetten und Entwicklungsphasen – und im Kontext seiner Zeitgenossen Mahler und Nielsen – zu erleben sein, beginnend mit Schönbergs Opus 4 „Verklärte Nacht“ (1899/1917) bis hin zu seinem letzten vollendeten Werk „De Profundis“ op. 50b für Chor a capella.

„Was heißt das eigentlich, Zwölfton? Für Schönberg war das nie eine Liste von Tönen, die man abzählt und auf die Partitur überträgt, sondern das waren Themen, das waren Gestalten, das waren musikalische Formen, lebendige Wesen.“ – Wolfgang Rihm

Die kompositorische Entwicklung Schönbergs lässt sich am Eröffnungskonzert des Musikfest Berlin 2015 mit der Staatskapelle Berlin und Daniel Barenboim „hörend“ nachvollziehen – auf dem Programm:
„Verklärte Nacht“ op. 4 [1899/1917] für Streichorchester (Hörbeispiel)
Fünf Orchesterstücke op. 16 [1909] (Hörbeispiele)
Variationen für Orchester op. 31 [1926–1928] (Hörbeispiel)

Die Kammersymphonie Nr. 1 (Hörbeispiel) von Schönberg ist ein „Wende-Werk“; der Komponist hat sich hier gänzlich von der spätromantischen Sprache emanzipiert und die Dissonanz etabliert. Die Kammersymphonie besteht aus einem Satz, wobei im Innern durchaus mehrere Sätze nachvollziehbar sind, die nahtlos ineinander übergehen (Exposition – Scherzo – Durchführung – Adagio – Reprise). Die intensive, ganz individuelle und neuartige motivische und thematische Arbeit, die Fülle an harmonischen Strukturen (Dur-Moll-tonal, Ganzton- und Quartenharmonik) machen dieses Werk zentral für die neue kompositorische Sprache Schönbergs, ja für die Musikgeschichte insgesamt. Beim Musikfest Berlin spielt The Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin Mehta die Kammersymphonie Nr. 1 und Gustav Mahlers 9. Symphonie.

Für das Monodram „Erwartung“ (Hörbeispiele) hat die Lyrikerin und Ärztin Marie Pappenheim auf Anregung, allerdings ohne jegliche Vorgabe von Schönberg den Libretto-Text verfasst. Schönberg komponierte dann – angeblich in nur 17 Tagen. (Daher Opus 17?) Beim Musikfest Berlin singt Anna Magdalena Hofmann die Rolle „Eine Frau“ in der Aufführung von „Erwartung“ mit dem Royal Danish Orchestra unter der Leitung von Michael Boder.

Über vier Jahrzehnte hat „Die Jakobsleiter“ (Hörbeispiele) Arnold Schönberg begleitet und noch wenige Wochen vor seinem Tod beschäftigte ihn das unvollendete Werk, wie ein Brief belegt. 1911 waren die ersten Pläne zu diesem Oratorium gereift – Initiator auch das Fragment „Jakob ringt“ von August Strindberg. Bis September 1917 ist ein Großteil des Fragments in Particell-Form festgehalten. Es folgen mehrfache Wiederaufnahmen der Arbeit und Ergänzungen – 1921 bis 1923, dann 1933 und 1945. Aber erst nach dem Tod Schönbergs hat schließlich der ehemalige Schüler Winfried Zillig im Auftrag der Witwe Gertrud Schönberg die jetzt vorliegende Partitur verfasst. „Die Jakobsleiter“ wird beim Musikfest Berlin das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Ingo Metzmacher aufführen.

Arnold Schönbergs Musik ist im Programm des Musikfest Berlin 2015 in einem Reigen von 15 Konzerten, verflochten mit den Werken seines Zeitgenossen Carl Nielsen sowie der Musik Gustav Mahlers, zu erleben. Ingo Metzmacher bringt am 17. September 2015 mit dem Deutschen Symphonie-Orchester das Fragment „Die Jakobsleiter“ zur Aufführung.