Samstag abends in der Volksbühne „Tod eines Kollektivs oder Die wunderbare Welt des R.W.Fassbinder“ gesehen – ein, ja, „Selbstversuch“ mit Maximilian Brauer, Susanne Bredehöft, Henning Nass und Lilith Stangenberg, sowie den Musikern Leonard Neumann und Richard Lucius. Sympathisch durch die Produktion von Offenheit und Energie durch Verbrennung und Verschwendung: Lebensmittel, Texte, Gedanken, Stimme, Musik – es wird geschrien, gematscht, gelärmt und das Publikum bewirtet. Und all das erlebend dämmert die Frage auf: Was hätte Fassbinder zu dieser offenen Form gesagt, dieser Performance der energetischen Übertrumpfung, die alles auffährt und ausreizt, was in Fassbinders Zeiten schon anfing, zur Konvention des multimedial „Wilden“ zu werden? Es macht Spaß, Irm Hermann und Ulli Lommel zu hören, die jung und hart genug sind, um das Abenteuer des Überfalls durch Live-Anrufe lachend mitzuspielen. Aber was unterscheidet Fassbinders Deutschland inzwischen von unserem? Das ließ sich ziemlich gut erleben an diesem Abend: Ironie. Und was macht seine Erfahrung und seinen Kampf so anders? Hatte er irgendwas mit Ironie zu tun? Eher  überhaupt nichts. Mit Exzess ja, sein Werk aber neigt zu Strenge und Reduktion. Und ich glaube, zuhause wollten es nicht „die“ spießigen Deutschen sehr ordentlich haben, sondern er. Er wollte am Ende heiraten. Das „Deutschland“ als RWF’s Problemheimat, gibt’s das noch? War es für ihn wichtig? Drogen, Familien, Hierarchien haben sich demokratisiert, das deutsche Kino greift die Gesellschaft nirgends mehr an. Das alles machte Lust auf diesen Fassbinder-Abend an der Volksbühne, der dann eher eine Galerieperformance war, eine Session. Fassbinder in frühen Interviews, die der Abend auch zeigt, sprach aus der Perspektive der Arbeit am Medium, das entsprach auf der Bühne des Roten Salons ungefähr der Geistesgegenwart von Maximilian Brauer als Fassbinder-Double, der in die Rolle hineinfiel und immer wieder heraus und darum kämpfte, dass ihn das etwas kostet. Hier war spürbar, warum das Radikaltheater der Volksbühne sich für diesen radikalen Filmemacher interessiert, den es mit dem Satz zitiert „It is not a good time out in the world for emotions anymore“. Die „wunderbare Welt“ Fassbinders oder gar der „Tod des Kollektivs“ bleiben ein Versprechen. Was wollte die Séance? Fassbinder, der sich posierend und entblößend veröffentlicht hat wie das heute erst allgemein und vertraut wurde durch die sozialen Netzwerke, ist einem durch alle Verständnishürden des Abends als schutzloser Täter überraschend nah gekommen. Und dann kommt ja noch „Fassbinder – JETZT“.