In der experimentellen Anordung von „alif::split in the wall“ werden fünf Leinwände integriert. Sie geben der Installation zunächst einen äußeren Rahmen, fungieren aber auch als Spiegel. Als solche erweitern sie den Wahrnehmungsraum, aber auch den Spielraum der Akteure in der Installation. Bastian Zimmermann beschreibt, wie sie in den Proben in das Gesamtbild eingepasst werden.

In den letzten Tagen saß, ganz unbemerkt zunächst, versteckt unter einer Schirmkappe, ein Mann am Rande des Bühnengeschehens. Erst dachte ich, es ist ein Techniker vom Haus, der schaut, dass die technischen Bestimmungen eingehalten werden. Oder dem der Auftrag erteilt wurde, zu überwachen, dass keine rote Flüssigkeit in den Bühnenboden sickert? Plötzlich hält er eine Foto- bzw. Filmkamera in seiner Hand.

Andreas Höfer © Bastian Zimmermann

Es ist Andreas Höfer, wie ich später von Sebastian Solte, dem Produktionsleiter des alif-Unternehmens, erfahre. Kameramann in etlichen deutschen Filmproduktionen, der insbesondere bekannt geworden ist mit Filmarbeiten wie „Nachtgestalten“ (1998) zusammen mit dem Regisseur Andreas Dresen. Höfer steht bescheiden, fast kaum merklich inmitten der Installation. Einzelne Musiker proben ein Trio. Nahezu im gleichen Moment erscheinen seine Bilder auf den fünf Leinwänden, die den Installationsraum einrahmen. Ich verstehe nun auch, was der Tisch mit den zwei Screens soll. Der Konzertdesigner und Dramaturg – und, wie ich weiter erfahre, auch der Bild-Regisseur Folkert Uhde nimmt dort Platz und wartet auf die ersten Bilder Höfers.

Folkert Uhde © Bastian Zimmermann

Live verteilt Uhde die in seiner Rechenstation ankommenden Bilder auf die fünf Leinwände, man probiert alle möglichen Kombinationen aus. Höfer filmt Instrumente, ganz nah, Uhde entschleunigt die Aktionen zu meditativen Bildern. Gesichter, Finger und natürlich die Schläuche werden ultra-nah abgescannt.

Installation der Schläuche vor Leinwand © Bastian Zimmermann

Tage zuvor hatten sich alle Beteiligen noch ausgelassen über die fehlende Vermittlung zwischen der Schlauch-Maschinerie und den Musikerkörpern: Die Musik, massiv und gewaltsam, erhob sich gänzlich über das Visuelle – ein Wunsch, den wohl jedes traditionelle Konzert verwirklicht sehen will, der aber dem Ziel der umfassenden Erfahrung eines Raumes nun widerstrebte. Besonders der Detailreichtum des doch sehr filigranen Schlauchsystems Shiotas ging unter, der Rhythmus der die Schläuche durchlaufenden Flüssigkeit blieb – wenn man nicht gerade mit der Nase am Boden klebte – beinahe unbemerkt.

Salome Kammer vor Leinwand © Bastian Zimmermann

Auch die erneute Probe mit Salome Kammer erhält sofort eine andere Einfärbung. Höfer nimmt sie in weißem Kostüm mit roten Schläuchen auf, projiziert diese Bilder wieder auf ihr weißes Kostüm. Dazu improvisiert sie einige Übergänge zwischen den Instrumentalpassagen und den Elektronikparts mit Stefan Goldmann am Synthesizer. Nach und nach findet sich das komplette Zafraan Ensemble zusammen, das etwa siebzehnminütige alif-Werk wird wieder zur Probe angesetzt. Höfer filmt und ist mittendrin im Geschehen.

Gesamtsicht der Installation © Bastian Zimmermann

„alif::split in the wall“ wird am 18. und 19. März jeweils von 19:00 – 24:00 Uhr im Rahmen von MaerzMusik – Festival für Zeitfragen im Radialsystem V zu erleben sein. Die Installation „alif“ von Chiharu Shiota ist außerdem am 19. und 20. März von 12:00 – 18:00 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich.