Das Projekt JungeReporter wendet sich an junge Leute ab 15 Jahren, die Lust am Schreiben haben. Sie müssen nicht unbedingt selbst ein Instrument spielen, malen oder gern auf der Bühne stehen, sondern es kommt auf die Neugier für alle Kunstformen an. Für das Berliner Festspiele Blog besuchen sie das 36. Theatertreffen der Jugend.

Ihre Oma hat sich eine Schiebermütze aufgesetzt und einen Schnurrbart angemalt, damit ihre Enkelin an der „Bastelaktion in männlicher Begleitung“ im Kindergarten teilnehmen kann. Eine Anekdote, die eine Teilnehmerin im Rahmen des Hörspiel-Workshops „Bigger than Life“ beim Theatertreffen der Jugend erzählt. Wir sitzen in einem Stuhlkreis im riesigen und lichtdurchfluteten Foyer des Berliner Festspielhauses, das bis auf unsere kleine Gruppe still und menschenleer ist. Fünf junge Schauspielerinnen und Schauspieler hören ihr aufmerksam zu. Zwei Jungen kommen vom Jungen Schauspiel Frankfurt, eine junge Frau von den Aktionist*innen aus Berlin, die anderen zwei Jungen sind Delegierte aus Höchst und vom TOHUWABOHU aus Meiningen. Wir alle schmunzeln an vielen Stellen. Anschließend tauchen Fragen auf: „Wie ging es weiter?“ und „Wie gingst du danach mit Regeln um?“ In der Feedbackrunde geht es darum, herauszufinden: Was macht diese Situation als Geschichte interessant? Und wie schaffe ich es, die Realität so zu erzählen, dass sie „bigger than life“ erscheint?

Diese Frage stellen sich Ragnhild Sørensen und Julia Wolf ständig. Zusammen realisierten sie bereits verschiedene Hörspiele und leiten die fünfköpfige Workshopgruppe, die aus Sørensens Sicht dieses Jahr „besonders gut funktioniert“. Die beiden Hörspielmacherinnen genießen den Austausch mit den Jugendlichen. „Es ist ein spannender Prozess, weil wir uns sowieso damit beschäftigt hätten“ erklärt Ragnhild Sørensen begeistert. Die beiden Frauen sind große Fans von „This American Life“, einer amerikanischen Hörfunksendung, die wöchentlich einstündige Reportagen überträgt. Julia Wolf ist immer wieder beeindruckt, „wie wahnsinnig gut und intensiv gearbeitet wird. Die Geschichten kommen ganz leicht, schlicht uns simpel daher, aber man merkt ihnen an, dass die wahnsinnig aufwendig recherchiert und geschrieben sind.“ Ihrer Meinung nach kennzeichnet sich ein gutes Hörspiel dadurch aus, dass es für die Gattung gemacht ist, denn „es ist so banal – aber man sieht halt nichts.“ So sei es im Hörspiel viel wichtiger als im Theater, die Handlung und den Ort zu beschreiben.

Der Teilnehmer Marc Kevin Fraiss, ein Delegierter der TEGS aus Höchst, wollte diesen „Hörbucheffekt“ gerne selber ausprobieren. Er findet es faszinierend: „wenn man von einer prägnanten Stimme etwas vorgelesen bekommt und sich dann dazu ein Bild macht“. Nach der Feedbackrunde verteilen sich die Teilnehmer auf die gemütlichen Sitzsäcke und überarbeiten ihre Geschichte. Die dritte Fassung werden sie einsprechen. Doch „Der Umweg über Papier ist wichtig, denn dort findet die Reflexion statt.“ erklärt Ragnhild, und Julia ergänzt: „Die Kunst ist es, die Produktion dann so zu machen, als gäbe es den Papierweg nicht.“

Der Bundeswettbewerb Theatertreffen der Jugend findet vom 29. Mai bis 6. Juni 2015 im Haus der Berliner Festspiele statt.