© Ira Polyarnaya

Wie aus einer Pressemitteilung des Moskauer Gogol Centers hervorgeht, soll es am kommenden Freitag, den 26. Juni, zu einer Urteilsverkündung im Prozess gegen den Künstler Kirill Serebrennikov kommen. Die Moskauer Staatsanwaltschaft fordert sechs Jahre Haft in einem Straflager und eine Geldstrafe in Höhe von 800.000 Rubel (10.300 Euro). Seine Verteidigung plädiert auf Freispruch. Vorgeworfen wird dem Theater-, Film- und Opernregisseur die Veruntreuung von staatlichen Fördergeldern in den Jahren 2011 bis 2014 in Höhe von 129 Millionen Rubel (1,6 Millionen Euro). Anstelle der Inszenierung Ein Sommernachtstraum” habe er die Fördermittel für die über mehrere Jahre durchgeführte Programmreihe Platforma” verwendet.

Serebrennikov wurde im Sommer 2017 festgenommen und kam nach eineinhalb Jahren Hausarrest unter strengen Auflagen wieder frei. Aus dem Hausarrest heraus inszenierte er weiter, so auch in Deutschland in Stuttgart, Hamburg und Berlin. Die Vorwürfe der Veruntreuung wurden bereits im vergangenen Jahr von unabhängigen Gutachter*innen entkräftet und daraufhin die Auflagen zum Hausarrest gelockert. Er durfte zwar wieder arbeiten, aber nicht die Stadt verlassen. Von vielen internationalen Künstler*innen und Kulturinstitutionen wurde das Verfahren als öffentlicher Schauprozess gegen die Kunstfreiheit in Russland wahrgenommen wie auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf kritisiert. Erst im September hatte die zuständige Richterin den Fall wegen fehlender Details an die Generalstaatsanwaltschaft zurückgegeben. In einem erneuten Anlauf der Staatsanwaltschaft, die daraufhin Berufung einlegte, stehen nun neben Kirill Serebrennikov drei weitere Mitglieder seiner ehemaligen Theatergruppe “Das siebente Studio” vor Gericht. Ebenfalls 2017 wurden der Produzent Alexej Malobrodsky, die Direktorin des Moskauer Jugendtheaters Sofia Apfelbaum und der ehemaligen Direktor des „Siebenten Studios“, Juri Itin, wegen des Vorwurfs der Veruntreuung von Fördermitteln festgenommen. Sie erwartet ein ähnlich hohes Strafmaß. 

In Serebrennikovs Schlussstatement vor Gericht, das wir Ihnen in der deutsche Übersetzung zur Verfügung stellen möchten, räumt er zwar eine schlechte Organisation der Buchhaltung seines damaligen Theaters ein, beklagt aber auch, dass weder Beweise gegen ihn vorliegen noch Zeugen vor Gericht präsentiert worden sind und die einzige ihn belastende Aussage von einer Buchhalterin stamme, die in einem gesonderten Verfahren zum gleichen Fall selbst vor Gericht stehe. 

Sein Projekt „Platforma” sagt er weiter, „beruht in erster Linie auf der Idee der Freiheit des künstlerischen Ausdrucks, auf der Idee der Vielfalt von Lebensarten – es geht um die Bestätigung der Komplexität der Welt, ihrer Vielfalt, ihrer Jugend und ihrer Schönheit in dieser Vielfalt. Es geht hier um die Hoffnung auf Veränderung.”

Die Lehre aus dem Fall PLATFORMA

Es ist vermutlich nötig zu erklären, warum PLATFORMA nicht nur für die russische zeitgenössische Kunst zu einem wichtigen und bedeutenden Projekt geworden ist, sondern auch für das Leben derjenigen Menschen, die es entwickelt, durchgeführt und als Besucher*innen erlebt haben.

Die Idee von PLATFORMA beruht in erster Linie auf der Idee der Freiheit des künstlerischen Ausdrucks, auf der Idee der Vielfalt von Lebensarten – es geht um die Bestätigung der Komplexität der Welt, ihrer Vielfalt, ihrer Jugend und ihrer Schönheit in dieser Vielfalt. Es geht hier um die Hoffnung auf Veränderung.

Was hatte ich mir vorgestellt, als ich dem neuen Präsidenten Russlands, der einen Kurs für „Modernisierung“ und „Innovation“ proklamierte, die Idee eines komplexen Multi-Genre-Projekts vorschlug?

Verdammt – dachte ich – vielleicht gibt es jetzt endlich für viele talentierte, kluge, rebellische junge Leute, die ich persönlich kenne und die keinen Platz im Rahmen traditioneller, noch sowjetischer Institutionen finden, für junge Leute, die zunehmend in Europa arbeiten und dort Förderung, Erfolg und Anerkennung erhalten, eine Chance, sich dank staatlicher Finanzierung in ihrem Heimatland zu verwirklichen, ohne demütigend im Ghetto eines optionalen „Experiments“ eingesperrt zu sein. Das hatte ich mir vorgestellt!

Gibt es einen tieferen Sinn in diesen drei Jahren PLATFORMA, auf die drei Jahre Verhaftungen, falscher Anschuldigungen und Gerichtsverfahren folgten? Diese Frage stellt man sich selbst zunehmend häufiger.

Ist das viel – die 340 Veranstaltungen, die wir in drei Jahren bei PLATFORMA gemacht haben, von denen die meisten originell, einzigartig und komplex waren und an denen eine bedeutende Anzahl von Künstler*innen, Musiker*innen, Regisseur*innen, Künstler*innen, Tänzer*innen und Komponist*innen mitwirkte? Das ist viel. Sehr viel. Das werden Ihnen alle sagen, die sich zumindest ein wenig mit Theater, Musik, modernen Technologien und modernem Tanz auskennen. Und sie – diese Leute, Spezialist*innen, Expert*innen – erschienen bereits vor Gericht und sagten über sich selbst, über ihre Arbeit und über das aus, was sie von 2011 bis 2014 in der Bely-Werkstatt im „Winzavod“ erlebt hatten. Die Behauptungen des Ministeriums für Kultur und der Staatsanwaltschaft, wir hätten etwas falsch gemacht mit dem Subventionsgeld, sind lächerlich. Vielleicht glauben sie ja, wir hätten nicht 340 Veranstaltungen durchführen sollen, sondern 800, da wir nach ihrer Lesart 128 von 216 Millionen von den Subventionen „gestohlen“ haben! Na ja, zumindest würden sie das sagen !!! Denn egal, wie oft wir beim betroffenen Ministerium anfragten, haben wir nie von einer Beschwerde gegen uns gehört, weder allgemein zum Projekt noch zu einer der Veranstaltungen. Dies ist also eine absurde Anschuldigung, die ich völlig ablehne.

Zweifellos wurden gerade jetzt die Prämissen des früheren Kulturministers – der anstelle von Alexander Avdeev kam, der PLATFORMA eröffnet hatte – deutlich, nach welchem Prinzip also bereits der frühere Minister entschieden hatte, mit zeitgenössischer Kunst zu interagieren: „Experimente auf eigene Kosten“. So sagte er das in vielen seiner Reden. Und nun ist klar, dass er dabei speziell über PLATFORMA gesprochen hat. Diese „eigenen Kosten“, das sind diese drei Jahre der Verhaftungen, Strafverfolgungen, Verleumdungen, absurder Anklagen und Gerichtsverhandlungen.

Es gibt verschiedene Versionen dazu, warum der sogenannte „Theaterfall“ entstanden ist, von den absurdesten bis zu den komplexesten und verschwörungstheoretischsten. Alles wird eines Tages ans Licht kommen, eines Tages werden die Archive der Geheimdienste geöffnet und wir werden erfahren, wer die Befehle erteilt hat, wer diesen Fall erfunden hat, wer ihn fabriziert hat, wer die Denunziationen geschrieben hat. Jetzt ist es nicht wichtig – jetzt ist wichtig, dass wir PLATFORMA mit all ihren vielschichtigen, frei fließenden Genres, mit Ungewohntem, mit Evidentem und Unbekanntem gestaltet haben. Es stellte sich heraus, dass sie dem gesamten System der Bürokratiekultur, einer Kultur der Loyalität, ontologisch fremd ist. Jetzt ist klar, dass dieses „betroffene“ Ministerium ein völlig vergiftetes Büro ist, das einen in jeder Situation nur verraten und ins offene Messer laufen lassen wird.


Ob ich bedauere, dass ich PLATFORMA auf dieses Weise gestaltet habe? Als ein Ort der völligen kreativen Freiheit, einen Ort, an dem sich viele kreative Menschen verwirklichen konnten? Nein. Bedauere ich, dass die Buchführung von PLATFORMA, die Gegenstand all dieser Gerichtsverhandlungen und Ermittlungen ist, so schrecklich organisiert war? Natürlich tut es mir leid. Aber leider konnte ich es damals nicht beeinflussen oder ändern, ich verstand nichts von der Arbeit des Rechnungswesens. Ich war mit den endlosen Veröffentlichungen und der Organisation von Veranstaltungen beschäftigt. Ich war nicht mit der Finanzverwaltung beschäftigt.

PLATFORMA, das ist klar, besteht nicht nur aus ihrer Buchhaltung, sondern steht vor allem für das, was am Veranstaltungsort „Winzavod“ durchgeführt wurde. PLATFORMA, das waren 340 Veranstaltungen, das sind die Tausenden von Zuschauer*innen, die wir angesprochen haben, das sind Dutzende junger Fachkräfte, die sich selbst verwirklicht und im Rahmen unseres Projekt ihre Qualifikationen verbessert haben. Und ich bin empört über die Versuche, die Bedeutung von PLATFORMA auszuradieren. Ich bin empört über die falschen Anschuldigungen, dass wir nichts getan oder für das Geld das Falsche getan hätten. Der Vorwurf ist eine Lüge, sie verteidigen nur ihre Pfründe und diejenigen, die diesen Fall initiiert haben.

Die Leute, die mit uns gemeinsam an PLATFORMA gearbeitet haben, sind vor Gericht erschienen und haben für uns ausgesagt, sogar die Zeug*innen der Staatsanwaltschaft haben das getan. Im „Theaterfall“ gibt es keinen einzigen Beweis, keinen einzigen Nachweis für mein unehrliches Verhalten, mein illegales Gebaren, meinen angeblichen Wunsch, mich materiell an dem für das Projekt bereitgestellten Geld zu bereichern.

Ich vertraue darauf, dass die künstlerische Seite von PLATFORMA, für die ich verantwortlich war, ein Akt der gemeinsamen Anstrengung von ehrlichen, talentierten, klugen Leuten meiner Generation war, diesen wunderbaren jungen Menschen, für die ich all das ins Leben gerufen habe. Und auf die 340 Veranstaltungen von PLATFORMA sind sie sicher auch stolz.

Der Witz – und zwar ein ziemlich bitterer – an unserer Situation ist, dass die Anschuldigungen auf den Aussagen von Buchhalter*innen und Bekannten von Buchhalter*innen, die das PLATFORMA-Geld ausbezahlt haben, basieren. Die Ermittlerteams bedrängten sie, und sie verleumdeten uns aus Angst um sich selbst. Sie haben gelogen. Auf ihre Lügen hin erfanden der Ermittler Lawrow und sein Team einen „Theaterfall“. Die besten Freunde der Ermittlung sind die Kassen. Leider ist dies ein Paradoxon!


Es ist völlig klar, dass die Buchhaltung des Projekts sehr schlecht durchgeführt wurde, und niemand bestreitet dies. Dies wurde auch durch die Prüfung deutlich, die 2014 begann. Niemand wäre überrascht gewesen, wenn ein Verfahren genau in diesem Feld geführt worden wäre. Wenn die Ermittler*innen nur verstanden hätten, wie Buchhalter*innen unser Geld über ihre eigenen Unternehmen ausgezahlt hatten. Beim „Theaterfall“ geht es jedoch nicht um Buchhaltung. Hier geht es darum, wie Menschen, die ein erfolgreiches Theaterprojekt machen, aufgrund von Veränderungen im öffentlichen Klima unbewiesen als „kriminelle Gruppe“ deklariert werden. Hier geht es darum, wie der Staat (schließlich ist das Kulturministerium der Staat) um der momentanen Konjunktur willen ablehnt, was er selbst verantwortet und geschaffen hat durch Steuergelder, Haushaltsgelder.

Der Unterschied zwischen der „zeitgenössischen Kunst“ und den staatlichen Propaganda-Aufträgen, besteht genau darin, dass sie paradoxerweise auf die Moderne, auf das gegenwärtige Leben reagiert und sie dabei sehr scharf, sehr kritisch ist – sie reagiert auf moderne Medien, sie führt ehrliche, prinzipielle Debatten, sie reagiert durch freie Reflexion, durch Kunst eben. Sie reagieren auf unsere Arbeit mit Belästigungen, Gerichtsverhandlungen und Verhaftungen. In diesem Sinne markieren das PLATFORMA-Projekt und die andauernde dreijährige Verfolgung derer, die es gestaltet haben, sehr genau, was mit uns allen passiert, und in diesem Sinne setzt das Projekt natürlich seine Arbeit fort; es legt die gegenwärtigen Zustände offen.


Über die gesamte Zeit, die der „Theaterfall“ andauerte, hat mich das Gefühl von einer Ungerechtigkeit nie verlassen – mir schien doch, dass wir alle zusammen etwas Reales und Wichtiges, insbesondere für unser Land, getan hatten, nämlich das PLATFORMA-Projekt ins Leben zu rufen, ein Projekt, das zu einer der Brücken zwischen Russland und der Welt wurde. Es wurde zu einem Instrument, unsere einheimische Kunst in die aktuellen Prozesse einzubeziehen, die in der weltweiten Kunst stattfinden. Deshalb wurde PLATFORMA kreiert, und nicht zum „Scheck-Einlösen“! Und diejenigen, die den „Fall“ entwickelt und uns mit Schmutz beworfen haben, haben einfach alles getan, um das heutige Russland als einen Ort erscheinen zu lassen, an dem man drei Jahre lang Menschen zum Gespött machen kann, ohne dass Beweise für das vorliegen, was sie gar nicht getan haben.


Ich bin sicher, dass PLATFORMA das Theater, die darstellenden Künste, die Medienkunst, den Tanz und die moderne akademische Musik beeinflusst hat. Meine Überzeugung beruht auf der Tatsache, dass die praktischen und theoretischen PLATFORMA-Experimente heute, fast zehn Jahre später, auf anderen Bühnen, in anderen Projekten, in den Werken vieler zeitgenössischer Künstler*innen fortgesetzt werden.

Mit der Zeit wird alles an seinem Platz sein. Das PLATFORMA-Projekt und seine Dokumentation vor dem Gericht der Russischen Föderation sind nun Teil der jüngsten Geschichte der russischen Kunst. Anscheinend bestand die böse Absicht derer, die diesen Fall initiiert und orchestriert haben, darin, uns zu diskreditieren und uns vorzuwerfen, PLATFORMA gar nicht ausgestaltet und durchgeführt zu haben. Sie versuchen, die Erinnerung an das Projekt zu zerstören und es auf widerliche Art auf die Buchhaltung zu reduzieren. Das wird nicht funktionieren für Sie. Ihre Behauptungen sind völlig unbewiesen und daher lächerlich, egal wie viele Zahlen Sie in Ihre Anschuldigungen hineinschreiben.

Gewissen, Ehrlichkeit, professioneller und menschlicher Anstand, kreative Furchtlosigkeit, Freiheit – genau das wurde als der Hauptwert der Arbeit von PLATFORMA bestätigt, für die ich verantwortlich war. Das wurde vor Gericht von den PLATFORMA-Teilnehmer*innen und denjenigen, die unter den Zuschauer*innen waren, über das Projekt gesagt. Natürlich spreche ich dabei nicht über diese verdammte Buchhaltung.

Kreative Menschen sind sich der Ungerechtigkeit sehr bewusst, sie fühlen, wer ehrlich ist und wer lügt, wer ein Dieb, wer ein Betrüger ist und wer nicht. Und ich bin der kreativen Gemeinschaft dankbar, die uns all die Jahre unterstützt hat, die in die Gerichtssäle und zu den Gerichtsverhandlungen gekommen ist und die Briefe und Material zu unserer Verteidigung geschrieben hat. Und obwohl die Lüge, Verleumdung und Willkür durch diese Briefe nicht besiegt werden konnten, haben wir uns gefreut, dass ihr sie trotzdem geschrieben habt.

Die Zeit von PLATFORMA war eine wunderbare Zeit der Kreativität und der Freude daran, dass Generationen junger Künstler*innen arbeiten konnten. Sie erhielten sowohl eine würdige Entlohnung als auch die Befriedigung darüber, dass selbst ihre verrücktesten Ideen verwirklicht werden konnten.

Schwache Menschen haben wunderbar auswendig gelernte Rechtfertigungen für ihre eigene Hilflosigkeit: „Dies wurde uns befohlen“, „Sie ordneten es an“, „Alles das wurde nicht von uns entschieden“, „Nun, Sie verstehen schon!“ So funktioniert die russische „Banalität des Bösen“! Das PLATFORMA-Projekt hat alle – sowohl Zuschauer*innen als auch Teilnehmer*innen – dazu erzogen, erlernter Hilflosigkeit zu widerstehen, für Handlungen verantwortlich zu sein, zu agieren, zu kreieren. In diesem Sinne bin ich voll verantwortlich für das künstlerische Programm dieser Plattform, für alle „Experimente“, die mir und meinen Kamerad*innen von diesem Gericht angekreidet werden.


Die Jugend wählt immer die Freiheit, nicht den „Stall“, nicht die „Herde“. In diesem Sinne gab PLATFORMA sowohl Künstler*innen als auch Zuschauer*innen Hoffnung, dass die Ideen der Freiheit früher oder später die Grundlage unseres ganzen Seins werden würden. Ich bin sicher, dass dies eine der Lehren von PLATFORMA ist, die für diejenigen wertvoll sind, die eine Veränderung ihres Lebens wollen, und sie sind der Grund für die gewalttätigen, aggressiven Angriffe derer, die mit der bestehenden Ordnung der Dinge zufrieden sind.

„Sag immer die Wahrheit“ – so lehrten mich meine Eltern! Im Rahmen des PLATFORMA-Projekts haben wir mit dem Land und der Welt über ein junges, offenes Land gesprochen, in dem ehrliche Menschen leben und bereit sind, die Gestalter*innen ihres Lebens zu sein! Freie Gestalter*innen zu sein!

Es ist völlig klar, dass die Ziele, die sich die Regierung damals für PLATFORMA gesetzt hatte – die Entwicklung und Popularisierung zeitgenössischer Kunst – unsererseits, meinerseits und von denen, die das PLATFORMA-Projekt gemacht haben, mit maximaler Hingabe erfüllt wurden.

Es tut mir leid, dass meine Prozesskosten für PLATFORMA zu einem schicksalhaften Moment wurden. Es tut mir jedoch überhaupt nicht leid, dass ich Jahre meines Lebens der Entwicklung der Kunst in Russland gewidmet habe, auch wenn das mit Schwierigkeiten, Verfolgung, Verleumdung verbunden war. Ich habe nie etwas getan, um jemandem zu schaden, ich habe niemals unehrliche Handlungen begangen. Ich habe viele Jahre in Moskau, in Russland gearbeitet, viele Auftritte durchgeführt, mehrere Filme gedreht, ich habe versucht, den Menschen in meinem Land nützlich zu sein. Ich bin stolz auf jeden Tag, den ich meiner Arbeit in Russland gewidmet habe. Einschließlich der Tage, an denen ich das PLATFORMA-Projekt durchgeführt habe.

Kirill Serebrennikov

In diesem Zusammenhang verweisen wir außerdem auf das Statement des Intendanten des Deutschen Theaters Berlin, Ulrich Khuon, vom 23. Juni 2020:

„Viele Künstler_innen weit über Russlands Grenzen hinaus und auch ich selbst sind entsetzt über die kaum fassbaren Strafanträge der Moskauer Staatsanwaltschaft gegen Kirill Serebrennikov und seine Kolleg_innen. Dies nach einem chaotischen, vieler Rechtsgrundsätze spottenden Verfahren. Wir, die wir Kirill Serebrennikovs Arbeitsweg seit Jahren begleiten, fürchten seine künstlerische und physische Zerstörung. Widerspruch und Widerstand sind gefordert“.

Seit mehreren Jahren steht das Deutsche Theater Berlin mit Kirill Serebrennikov und dem Moskauer Gogol Center im engen Austausch. Seine ursprünglich für die Spielzeit 2018/2019 am Deutschen Theater geplante Inszenierung “Decamerone” musste im Zuge des Strafprozesses mehrfach verschoben werden und konnte trotz Serebrennikovs Abwesenheit 2020 in einer länderübergreifenden Kooperation doch noch zur Premiere geführt werden.

25.06.2020: Eine neu ins Leben gerufene Petition richtet sich im Fall Serebrennikov sowohl an die Deutsche Bundesregierung als auch an die Russische Botschaft in Berlin, an die zeitgleich zur Urteilsverkündung am Freitag 10 Uhr (MEZ / 11 Uhr in Moskau) alle bis dahin gesammelten Unterschriften übergeben werden sollen.

Die Petition zum Unterschreiben und Teilen findet sich hier:
www.change.org/freekirill