„Every Thing Will Be Fine“ © NEUE ROAD MOVIES Gmbh, Foto: Donata Wenders

3D – Wim Wenders Film malt Räume. Die Frage ist dennoch, ob die 3D-Technik fördert oder zerstört , was die Poesie begehrt? „Every Thing Will Be Fine“ – noch nie ist mir das Disproportionale der Raum-im-Raum-Erfahrung im Kino so aufgefallen. Auf der XXL-Leinwand des Berlinalepalastes schauen echte Riesen ins Kinderzimmer. Wir sehen in diesem High Tech-Kino die Andersartigkeit der räumlichen Welt „hinterm“ Screen überdeutlich – es ist dort alles extra groß  bzw. klein, und wir sitzen in diesem Sinne in einer Kinobox mit Luke, durch welche wir auf eine angeschlossene Welt von völlig anderer Dimensionen blicken. Das fasziniert und distanziert, weil es eben kein flächiges, zweidimensionales Bild ist, mit dessen Über- oder Untergröße wir vertraut sind. Wenn das Gleiche  mit dem Raum passiert, so ist es etwas anderes, als wenn wir einfach nur ein großes Tafelbild betrachten. Das betrifft aber nicht nur die Erfahrung einer Disproportionalität zwischen der natürlichen Dimension der Zuschauerwelt und der Dimension des Filmraums, also eines Raum-im-Raum-Problems, sondern betrifft auch die Textur der Bilder. HD-3D bewirkt nicht, dass die Welt im Kinobild als „echter“ empfunden wird, sondern im Gegenteil – die Oberflächen haben eine Glätte, die fast so glatt und hyperreal aussieht wie in den Animationen sehr gut designter Computerspiele. So erscheint die Welt im Film durch die plastische Realität dieser Raumbilder nicht „wirklicher“, sondern viel, viel künstlicher – sehr interessant. Aus poetischen Gründen macht die Verwendung der 3D-Technik in diesem Melodram völlig Sinn – alles ist in diesem Film Stimmung, plastisches Dasein. Das Schicksal steht schwer im Raum. Poetisch kann man die Wahl dieser Technologie also sehr gut nachvollziehen, also den Versuch, in Innenwelten einzusteigen, die technisch so perfekt wie nie in den Außenraum exploriert werden. Nur würde ich eben die wirkliche Qualität des Filmes als völlig unabhängig von der 3D-Technik beschreiben: Seine Geschichte hat einen so umwegigen Eigensinn, eine so dezente und dennoch starke Konstruktion, die bei diesen Darstellern und Bildaufbauten auch in einem älteren Medium ihren Raum gefunden hätte.  In jedem Fall: Ansehen!