Das Projekt JungeReporter wendet sich an junge Leute ab 15 Jahren, die Lust am Schreiben haben. Sie müssen nicht unbedingt selbst ein Instrument spielen, malen oder gern auf der Bühne stehen, sondern es kommt auf die Neugier für alle Kunstformen an. Für das Berliner Festspiele Blog besuchen sie das 36. Theatertreffen der Jugend.

Im Theaterstück „Söhne wie wir – mach dir keine Sorgen, Mama!“ vom Jungen Schauspielhaus Düsseldorf geht es um die Beziehung zwischen Müttern und ihren Söhnen. Sie ist vielleicht nicht immer einfach, dafür aber einzigartig. Die Inszenierung zeigt das humorvoll, doch sie hat die Zuschauer auch zum Nachdenken gebracht. Besonders eine Frage – die letzte – ist vielen im Gedächtnis geblieben: Bin ich ein guter Sohn bzw. eine gute Tochter? Eine schwierige Frage. Doch eigentlich ist das gar nicht so kompliziert, wie eine Mutter im Interview verrät.

„Söhne wie wir – mach dir keine Sorgen, Mama!“ © Sebastian Hoppe

Kann man ein guter Sohn bzw. eine gute Tochter sein?

Ja.

Und wie macht man das?

Ich denke, das ergibt sich einfach im liebevollen Umgang miteinander. Respekt und Achtung gehören auch dazu. Ganz bestimmt gehört nicht dazu, den Erwartungen gerecht werden zu wollen. Jedenfalls nicht solchen nach dem Motto: „Das haben wir uns schon immer gewünscht, dass du…“ Wenn Eltern einem die Freiheit geben, eigene Entscheidungen zu treffen und damit eigene Wege zu beschreiten, ist das gar nicht so schwer. Man bekommt doch sowieso Grundwerte in der Erziehung mit, und wenn man diese als seine annimmt und versucht umzusetzen, ist das halb gewonnen. Es ist auch mehr als Loyalität und Pflichtbewusstsein. Irgendwie sollte es lebenslang ein Bedürfnis sein, am Leben der Eltern teilzuhaben und sie am eigenen teilnehmen zu lassen. Also Geben und Nehmen. Mit niemandem ist man enger verbunden als mit den eigenen Eltern, keiner kennt einen so lange und so gut und wenn es gut läuft, kann man mit allem, egal worum es geht, zu ihnen kommen, erhält guten und wohl gemeinten Rat. Da gibt es eine Menge zurückzugeben. Wenn man das schafft, ist man ein guter Sohn bzw. eine gute Tochter.

Also nach dem Prinzip: „Wenn unser Kind glücklich ist, sind wir das auch“?

Genau so. Aber nicht um jeden Preis. Eltern müssen sich auch Sorgen machen dürfen und Kinder sollten das akzeptieren. Das heißt ja nicht, dass man ihnen im Weg stehen möchte. Manchmal ist das einfach die Lebenserfahrung, die da aus einem raussprudelt. Und manchmal ist second-hand doch gar nicht verkehrt, wenn jemand ein bisschen auf einen aufpasst. Als wir klein waren, haben wir es doch auch genossen, umsorgt und beschützt zu werden.

Und womit können Kinder dann ihre Eltern enttäuschen?

Hm, schwierige Frage. Na ja, vielleicht wenn sie ganz absichtlich etwas machen, nur um es anders zu machen als geraten. Wenn sie von sich aus den Kontakt abbrechen, nicht mehr reden und meinen, sie müssten ihr Leben ganz allein führen. Einfach alle Brücken abbrechen. Eigentlich kann doch nichts so schlimm sein, dass man diese familiäre Bindung einfach so kappt. Das macht Eltern dann einsam und enttäuscht. Man sollte einfach immer füreinander da sein, egal, wie weit vielleicht die Standpunkte auseinander gehen. Auch Kinder haben irgendwann nicht mehr die Gelegenheit, etwas zu ändern, unsere Zeit ist eben einfach mal endlich auf dieser Erde.

Der Bundeswettbewerb Theatertreffen der Jugend fand vom 29. Mai bis 6. Juni 2015 im Haus der Berliner Festspiele statt.