Das Projekt JungeReporter wendet sich an junge Leute ab 15 Jahren, die Lust am Schreiben haben. Sie müssen nicht unbedingt selbst ein Instrument spielen, malen oder gern auf der Bühne stehen, sondern es kommt auf die Neugier für alle Kunstformen an. Für das Berliner Festspiele Blog besuchen sie Proben und Veranstaltungen und schreiben darüber.

„Ciaccona“

Auf einer kleinen Bühne steht eine Frau mit ihrer Geige in einem Lichtkegel. Zwölf Notenständer vor ihr. Kari Ronnekleiv spielt das Stück „Ciaccona“ von Johann Sebastian Bach, schön und klassisch. Ein interessanter Kontrast zum darauffolgenden Werk von Ole-Henrik Moe. Die Geigerin breitet zahlreiche riesige, viereckige Pappblätter auf den Notenständern aus, schon allein das hat eine riesige Wirkung. Und ich denke mir, was kommt jetzt?

Modern, innovativ, schlicht, dezent – ja, so würde ich die „Ciaccona“ von Moe beschreiben. Wir lauschen der Musik, die Kari Ronnekleiv ihrer Violine entlockt, eine technische Meisterleistung. Doch wie man so in seinem Stuhl sitzt, ertappt man sich dabei, immer wieder abzuschweifen. Die Musik fängt einen nicht. Der Spannungsbogen bleibt aus, die Höhepunkte fehlen, vor allem im Mittelteil. Dort wird die Musik teils so leise, dass sie kaum wahrnehmbar ist, und dies über gefühlte 15 Minuten.

„Ciaccona“ von Ole-Henrik Moe ist ein schönes Stück, es plätschert so dahin, Musik zum Lernen oder zum Entspannen. Aber nicht mitreißend.

„In iij. Noct.“

„In iij. Noct.“

„In iij. Noct.“

Wir sitzen gespannt auf unseren Stühlen, ein leises Flüstern geht noch durch den Raum, überall liegen Schilder aus: „Das Konzert findet in vollkommener Dunkelheit statt. Wenn Sie Hilfe benötigen, machen Sie bitte durch Rufe auf sich aufmerksam.“ Es wird langsam dunkel, ein paar junge Leute haben noch ihre Smartphones an, aber als auch diese ausgeschaltet sind, kann man nicht einmal mehr die eigene Hand vor Augen sehen. Und dann beginnt es. Ganz leise zunächst aus allen vier Ecken, in denen die Musiker platziert sind. Die Musik, voll und aufeinander aufbauend, breitet sich im gesamten Raum aus, scheint einen zu umschließen in der vollkommenen Dunkelheit. Zunächst ist das noch beängstigend, orientierungslos mitten im Nichts zu sitzen, aber mit jedem Ton scheint man sich mehr und mehr auf sein Gehör zu verlassen. Erstmalig konzentriere ich mich nur auf die Musik, nicht noch auf die Bewegungen der Künstler, sehe mir nicht gleichzeitig die anderen Zuhörer an oder die Architektur des Raumes. Es ist ein ganz anderes, besonderes Hörerlebnis, das einen alles andere vergessen lässt.

Die Autorin Finja Berresheim besuchte die Konzerte „Ciaccona“ und „In iij. Noct.“ im Rahmen von MaerzMusik – Festival für Zeitfragen 2015.