Wer war Fritz Bornemann? Unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen hat er seine Architekturen entworfen? Was bedeuten für sein Bauen Konzepte wie „demokratische Architektur“ oder „Architektur als dienende Hülle“? Das und noch anderes haben wir den Kunstwissenschaftler und Architekturkritiker Nikolaus Bernau gefragt.

Das Haus der Berliner Festspiele in der Schaperstraße in Berlin-Wilmersdorf wurde 1963 als Theater der Freien Volksbühne unter der Intendanz Erwin Piscators eröffnet. Seine Architektur zählt neben der Deutschen Oper oder der Amerika-Gedenkbibliothek zu den bekanntesten Bauten des Berliner Architekten Fritz Bornemann.

Mit der architektonischen Moderne verbinden sich heute Namen wie Le Corbusier, Mies van der Rohe oder Walter Gropius. Weniger bekannt sind die Architekten, die in der Nachkriegszeit vor der Aufgabe standen, Städte wieder aufzubauen und ihnen ein anderes, modernes Gesicht zu geben. Fritz Bornemanns Bauten sind eng mit der Baukultur West-Berlins in der Phase des Wiederaufbaus verbunden und prägen bis heute die Physiognomie der Stadt. Ob scharf kritisiert oder als Meisterwerke apostrophiert – bis heute bewegen Bornemanns Bauten ihre Nutzer und Besucher mit der ihnen eigenen Synthese von Modernität, Funktionalität und Rauminszenierung.

Mit der Reihe „Fritz Bornemann in Berlin“ möchten wir den Architekten unseres Hauses vorstellen.

Wer war Fritz Bornemann?

 „Es ist charakteristisch für Fritz Bornemann, dass er sehr an Technik interessiert war, an Arbeitsabläufen und dass er das sehr schnell in Formen umsetzen konnte.“

„Demokratische Architektur“ und „Architektur als dienende Hülle“

Bezogen auf die Theaterarchitektur der Zeit – so Nikolaus Bernau – wurden Begriffe wie „Demokratische Architektur“ mit „freiflutenden Räumen, durchsichtigen Architekturen und einer nicht-hierarchischen Aufteilung des Publikums assoziiert“.

Fritz Bornemann und die Synthese der Künste

„Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Künsten war für Bornemann sehr wichtig. Kam er doch aus einer Familie von Theatermalern und er kannte sich mit Musik sehr gut aus.“

Bornemanns Architektur – ihre Stärken und Schwächen

„Die Räume des Berliner Festspiel-Hauses sind widerständig und zwar gerade dadurch, dass sie nicht widerständig erscheinen. Es ist eine Illusion zu glauben, dass das ein völlig offener Raum sei. Mit dieser Abstraktion von Form muss man leben lernen und das ist ein ziemlich hoher Anspruch.“

Nikolaus Bernau,1964 in Bonn geboren, ist ein Kunstwissenschaftler, Architekturkritiker, Journalist und Sachbuchautor. Er studierte Architektur und Kunstwissenschaften an der Technischen Universität Berlin und der Hochschule der Künste Berlin. Seit 2000 arbeitet er als Freier Redakteur mit den Schwerpunkten Architektur, Städtebau, Museums- und Kulturpolitik sowie Geschichte in der Redaktion der „Berliner Zeitung“. 2003 bis 2014 war er Mitglied des Berliner Landesdenkmalrats. An der BTU Cottbus, der FHTW in Berlin und der TU Berlin unterrichtet er als Lehrbeauftragter für Architektur- und Museumsgeschichte. Er publiziert wissenschaftlich zur Architektur-, Städtebau- und Museumsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und ist im Vorstand der Richard-Schöne-Gesellschaft. 2011 erhielt er die „Silberne Halbkugel“ des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz. 2013 wurde ihm der nach Helmut Sontag benannte Publizistenpreis des Deutschen Bibliotheksverbandes dbv e.V. und der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft verliehen. 2003 haben Susanne Schindler und Nikolaus Bernau das Buch „Inszenierte Moderne. Zur Architektur Fritz Bornemanns“ beim Jovis Verlag herausgegeben.